Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
ISSN 1866-4105
Judith Butler und Theodor W. Adorno im historisch-gesellschaftlichen Kontext
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- Kategorie: Antisemitismus
- Veröffentlicht am Donnerstag, 06. September 2012 09:21
- Geschrieben von Heinz Gess
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Im folgenden Essay arbeite ich die Implikationen und theoretischen Voraussetzungen der politischen Einschätzungen und Stellungnahmen von Judith Butler und Th. W. Adorno zu Israel und dem Antizionismus/Antisemitismus heraus und reflektiere ihre Funktion im jeweiligen historisch-gesellschaftlichen Kontext.
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Preisverleihung an Judith Butler ein Fehlgriff ist, der einem wissenschaftlichen Skandal gleichkommt, weil hier eine fraglos bekannte Literaturwissenschaftlerin, die Adornos Werk und die ihm zugrunde liegende Intention ins Gegenteil verkehrt, ausgerechnet unter Berufung auf Adorno geehrt werden soll. Das ist um der Wahrheit in der Sache willen, nicht hinnehmbar.
Die Reflektion auf die gesamtgesellschaftliche Situation und den hierzulande vorherrschenden kulturellen Code hat mich aber auch zu der Überzeugung gebracht, dass diese Verleihung des Adorno-Preises an eine Meisterin der Verkehrung des von Adorno Intendierten in einem linken Jargon, den mancher Halbgebildete vielleicht „adornitisch“ vorkommen mag, weil er sich Adornos Werk nie wirklich in kritischer Auseinandersetzung mit ihm angeeignet hat, alles andere als ein bloßer Irrtum ist, sondern die Preisverleihung an Butler gerade wegen ihrer erfolgreichen Verkehrung von Adornos Werk in sein Gegenteil erfolgt. Deshalb wird der richtige Protest gegen die Preisverleihung des Adorno-Preises ausgerechnet an Butler wohl auch keinen Erfolg haben. Das aber darf kein Einwand sein, für die bessere Sache gegen den falschen Konformismus im Jargon des besseren Menschentums einzutreten, sondern sollte eher ein Anreiz für alle sein, sich dem Protest anzuschließen, um die Kräfte des wirklichen Widerstandes gegen den vorherrschenden fatalen Konformismus zu stärken, der nun auch noch mit Adorno einen jener Wenigen für sich falsch in Anspruch nimmt, die diesem Konformismus beharrlich widerstanden und durch sein Werk sagt, wie zu denken sei, damit man dies vermag. Dies zu vermögen bedeutet auch: so zu denken und zu handeln, „, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“ (Adorno)
Den ersten Teil meines Essays ergänze ich im zweiten Teil (s. 22f), in dem ich mich detailliert mit Butlers Replik auf die Kritik an der Preisverleihung in „DIE ZEIT“(Nr. 36, 30. 08. 2012, S. 53f.) und „Frankfurter Rundschau“ (31. 08. 2012) auseinander.
Gliederung:
Teil I
Einleitung
Neuer Antisemitismus
Falsche Projektion und Abdichtung gegen die Erfahrung
Adornos Sorge um Israel und Butlers Boykottforderung
Alter Wein in neuen Schläuchen
Zionistischer Jude versus anti-zionistischer Diasporajude
Deutschland - geläutertes Land
Das „Narrativ“ von der Burka als Manifestation emanzipatorischen Protestes
Adorno-Preis-Verleihung als Fetisch
Schluss
TEIL II (S.22 ff.
Auseinandersetzung mit Butlers Replik auf die Kritik an der Preisverleihung in „DIE ZEIT“(Nr. 36, 30. 08. 2012, S. 53f. )
Heinz Gess
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