Habermas, Antizionismus und das falsche Erbe der Kritischen Theorie
Gerhard Schweppenhäusers Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgelöste Auseinandersetzung um das Erbe von Jürgen Habermas berührt eine Differenz, die in den Nachrufen und Würdigungen leicht verschwindet: Habermas hielt politisch an der Solidarität mit den Juden und mit Israel fest, während seine gesellschaftstheoretische Abkehr von der Kritik der politischen Ökonomie die Erklärung des modernen Antisemitismus verkürzte. Heinz Gess untersucht diesen Widerspruch und die davon zu unterscheidende Umdeutung der Kritischen Theorie in den Beiträgen Rüdiger Dannemanns und Lukas Meisners im Argument.
Wo bereits Horkheimers und Adornos Solidarität mit Israel als Eingliederung in westliche Herrschaft erscheint, wird ihre Theorie im Namen ihres vermeintlich revolutionären Erbes gegen ihren eigenen Erfahrungsgehalt gewendet. Die Untersuchung verfolgt die Vorgeschichte dieser Verkehrung im linken Antizionismus, bestimmt mit Postone und über ihn hinaus deren gesellschaftliche Grundlage und erinnert mit Wolfgang Fritz Haug an die Möglichkeit eines Antirassismus, der in die Affirmation geschlossener Kollektive umschlägt. Zur Debatte steht, was von Emanzipation bleibt, wenn die Kritik gesellschaftlicher Herrschaft durch den Kampf gegen den jüdischen Staat ersetzt wird.
Heinz Gess
Gliederung
Der Feind im Erbe der Kritik …………………………………………….2
Die ausgebliebene Revolution und das Ersatzsubjekt …….............. 2
Vom Stalinismus zur Neuen Linken ……………………………….......4
Die fetischisierte Kritik des Kapitals ……………………………….......6
Habermas und die abgewickelte Grundlage der Kritik …..................7
Dannemann und Meisner im falschen Erbe ……………........……..10
Die verdrängte Dialektik des Antirassismus ……………….........….11
Literaturverzeichnis
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