Klimawissenschaft, Kosmologie und die Provinzialisierung des Wissens
Der Aufsatz „Epistemische Gewalt in der eurozentrischen Wissensproduktion“ von Julian Prugger und Michael Reder analysiert aus postkolonialer Perspektive die globale Klimade-batte am Beispiel des REDD+-Programms. Die Autoren argumentieren, dass vermeintlich neutrales naturwissenschaftliches Wissen Formen „epistemischer Gewalt“ reproduziere, indem es indigene Wissenssysteme marginalisiere und funktionalisiere. Dem setzen sie die Forderung nach einem „Verlernen“ kolonialer Wissensordnungen und nach neuen Formen epistemischer Kooperation entgegen.
Elias Hechinger ordnet in seinem Rezensionsessay diesen Ansatz in eine breitere Strömung postkolonialer Theorie ein, die universelle Rationalitätsansprüche grundsätzlich infrage stellt. In Anlehnung an die Kritik von Ingo Elbe wird diese Perspektive als problematische Relativierung wissenschaftlicher Standards diskutiert, die gerade im Kontext globaler Klimapolitik riskante Folgen haben kann.
Vor diesem Hintergrund entwickelt Elias Hechinger eine aufklärerisch fundierte Gegenposi-tion: Während koloniale Ausschlüsse und Defizite von Programmen wie REDD+ anerkannt werden, wird der Begriff der „epistemischen Gewalt“ als analytisch überdehnt kritisiert. Hechinger plädiert für einen fallibilistischen Universalismus, der wissenschaftliche Rationa-lität verteidigt, ohne ihre historischen Verstrickungen zu leugnen. (Heinz Gess)
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