Die Rückkehr der Götter in Dipesh Chakrabartys postkolonialer Theorie
Dipesh Chakrabarty, indischer Historiker und einer der bekanntesten Vertreter der postkolonialen Subaltern Studies, wurde mit dem Programm berühmt, Europa zu „provinzialisieren“, also dessen Begriffe von Geschichte, Moderne und Vernunft als historisch partikular zu kritisieren.
Der vorliegende Aufsatz von Ingo Elbe zeigt aber, dass Chakrabarty es nicht bei dieser Kritik falscher Universalismen belässt: Am Beispiel seines Textes über „minoritäre Geschichten“ rekonstruiert er, wie aus der berechtigten Aufmerksamkeit für marginalisierte Überlieferungen ein Angriff auf wissenschaftliche Historiographie selbst wird.
Im Zentrum steht der Widerspruch, dass solche „subalternen“ Erzählungen bei Chakrabarty einerseits als inkommensurabel zur modernen Geschichtswissenschaft erscheinen, andererseits aber deren Voraussetzungen bestimmen sollen. Damit, so Ingo Elbe, rückt Chakrabarty in die Nähe einer konservativen Hermeneutik wie der Gadamers, die religiöse Überlieferung nicht nur verstehen, sondern in ihrem Geltungsanspruch anerkennen will – mit weitreichenden politischen Konsequenzen für Wissenschaft, Kritik und universelle Vernunft. Ingo Elbe macht deutlich, dass die Konsequenzen weder für den kritischen Rationalismus noch für die klassische Kritische Theorie akzeptabel sind
Heinz Gess
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