Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
Die Langeweile der Anderen
- Kategorie: Sozialarbeit
- 16. Januar 2010
- Silvia Debusmann
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Der Langeweile lässt sich der Stachel des Leids ziehen. Dazu braucht es "nur" Gelassenheit in dem Sinne, wie der Jude Jesus sie anempfahl, als er sagte: "Sehet die Blumen auf dem Felde in all ihrer Pracht. Sie säeen nicht, sie ernten nicht, und doch sind sie schöner als ihr in eurer Sorge um euch selbst." Wem es gelingt, etwas von dieser Einstellung in seinem Leben zu realisieren und das Gefühl der Langeweile im stetigen Wechsel des Kommens und Gehens zu tolerieren, bei dem verschwindet ihr "apokalyptischer Charakter" (Debusmann). Gerade das gelassene Nicht-Widerstehen führt zum Ende des Unbehagens. Einfach innehalten, nicht gewaltsame Vermeidungsstrategien verfolgen, keine krampfhaften Fluchttendenzen entwickeln, keine spontanen Kampfansagen aussprechen, keine sinnlosen Ersatzbefriedigungen anvisieren, keiner fatalistischen Kapitulation frönen, sondern lernen, im ruhigen, unaufsässigen, augenblicklichen Nicht-Tun der Dinge harren, die da (wieder) kommen und (auch) gehen.
Abstrakt-theoretisch ist ein solch gelassener Umgang mit der Langeweile möglich. Gelingt er, wird das nicht selten auf neue Gedanken bringen und Achtsamkeit für verschüttete Impulse wecken. In Bezug auf die gesellschaftliche und individuelle Praxis der entfremdeten, verdinglichten Leistung, ist der empfohlene gelassene Umgang aber eher schwer zu realisieren. Aber das sollte nicht daran hindern, die Übung zu beginnen, auch wenn der Zweifel am Erfolg bei dem ein oder anderen überwiegen mag.
Frei nach Silvia Debusmann
Heinz Gess
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