| "Fitna" (Zwietracht) - über Geerd Wilders islamkritischen Kurzfilim |
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| Geschrieben von: Hartmut Krauss |
| Montag, 07. April 2008 um 18:11 Uhr |
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mit einer Auseinandersetzung mit Kommentaren zum Kurzfilm in den deutschen Medien
Hartmut Kraus schreibt: "Der Film von Geert Wilders ist in seiner recht einfachen Machart weder manipulativ (tatsachenentstellend) noch demagogisch (aufhetzend-diffamierend). Vielmehr stellt er schlicht und ergreifend objektive Bedeutungen (zu Gewalt aufrufende und Gewalt legitimierende Aussagen des Korans), sich darauf beziehende Ausschnitte aus "radikalislamischen" Predigten/Reden und Bilder von Gewalttaten im Namen des Islam in einen begründungs- und handlungslogisch konsequenten Zusammenhang. Deshalb stellt sich eigentlich nur folgende Frage: Sieht man diesen handlungslogisch konsistenten Zusammenhang, nimmt man ihn zur Grundlage einer kritischen Urteilsbildung und zieht daraus entsprechende Schlussfolgerungen? Oder negiert man diesen Zusammenhang unter Zuhilfenahme ideologischer Abwehrmechanismen, um eine kritische Urteilsbildung und entsprechende Schlussfolgerungen aus unterschiedlichen opportunistischen Gründen zu vermeiden?" Krauss betont einmal mehr, worauf im Kritiknetz von mir und vielen andern Autoren auch immer und immer wieder insistiert wurde, dass, um der wissenschaftlichen Korrektheit willen zwischen dem Islam als objektivem religiös weltanschaulichen Bedeutungssystem oder verobjektivierter geistiger Institution mit deutungsberechtigten Gelehrten und Geistlichen des Islam, die eben wegen ihrer autorisierten Berechtigung zur Auslegung des Koran sogar die Todesstrafe (Fatwa) verhängen können, und den subjektiven Verhaltensweisen konkreter Muslime oder gar jener Menschen, die zwar in muslimisch beherrschten Regionen der Welt leben, aber überhaupt keine oder keine wirklich gläubigen Muslime sind, zu unterscheiden ist und stellt richtig fest: "Wissenschaftlich seriöse Islamkritik bezieht sich auf den Islam als objektives religiös-weltanschauliches System von Behauptungen, Normen, Vorschriften, Handlungsaufforderungen etc., das ein kulturspezifisches Gefüge zwischenmenschlicher Herrschaftsbeziehungen vor- und festschreibt. Die wesentlichen Manifestationsformen dieses objektiven Systems sind 1) der Koran; 2) die Sunna des Propheten Mohammed und seiner engsten Umgebung (Hadithsammlung), 3) das primär aus Koran und Sunna abgeleitete islamische Recht (Scharia) in Form von vier Rechtsschulen und 4) die dominanten Auslegungsdogmen der Religionsgelehrten in engstem Verweisungszusammenhang zu den vorgenannten Quellen. In der konkret-historischen Praxis hat dieses objektive Bedeutungssystem die Form regionalspezifischer Ausgestaltungsvarianten angenommen und Auslegungskonflikte (zum Beispiel zwischen Sunniten und Schiiten) in sich aufgenommen, ohne in diesen modifizierten Formen seinen Grundcharakter als vormoderne Herrschaftsideologie einzubüßen. Da der Islam religiöses Glaubenssystem, gesellschaftliche Ordnungslehre, Alltagsethik, Sozialisations- und Erziehungsgrundlage in einem ist, ist er per se "politisch", d. h. auf die umfassende soziale Regelung zwischenmenschlicher Beziehungen ausgerichtet. Insofern ist die undifferenzierte Rede vom "politischen Islam" falsch und irreführend, da sie die objektive Existenz eines "unpolitischen" Islam suggeriert und damit so tut, als gäbe es den Islam als reine "Privatreligion" (schon bevor eine durchsetzungsfähige, das Religiöse dezentrierende Aufklärungsbewegung innerhalb des islamischen Herrschaftsraumes nachhaltig stattgefunden hat). Vom Islam als einem objektiven Bedeutungssystem strikt zu unterscheiden sind nun die subjektiven Einstellungen und Verhaltensweisen konkreter Muslime. Entscheidungstheoretisch betrachtet können sich diese zum Beispiel entweder rigoros und dogmatisch ("fundamentalistisch") an die objektiven Vorgaben halten, diese nur partiell befolgen, diese ignorieren (ohne das nach außen zu zeigen), sich öffentlich distanzieren (austreten) oder aber einen subjektivistisch interpretierten "Bonbon"-Islam kreieren, der die "gefährlichen", "anstößigen", "problematischen", "unliebsamen" Aussagen einfach voluntaristisch ausblendet (so wie kleine Kinder, die ihr Gesicht hinter den Händen verbergen und glauben, man könne sie nicht mehr sehen) und so tut, als sei dieser subjektivistisch konstruierte Islam der "eigentliche" Islam. Aus herrschaftskritisch-wissenschaftlicher Perspektive wäre es jedenfalls verfehlt, aus Rücksicht auf vermeintlich "unpolitische Bonbon-Muslime" bzw. unreflektierte "Mitläufer" des Islam die Kritik an der islamischen Herrschaftskultur und ihrer streng gläubigen Protagonisten zu verwässern oder abzubremsen. Und bei jener Gruppe, die hierzulande unter dem Etikett "säkulare Muslime" firmiert, handelt es sich doch wohl eher um Taktiker einer medial marktgängigen Koketterie." (Hartmut Kraus) Heinz Gess Link zum Artikel (PDF): ""Fitna" (Zwietracht) - über Geerd Wilders islamkritischen Kurzfilim ". Klicken Sie bitte hier.
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