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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft

Wagner, das völkische Denken und die Juden

Kategorie: Neue Rechte, Völkisches Denken, Rassismus
07. Mai 2005
Heinz Gess
4560 Zugriffe
Der antagonistische Gegensatz zwischen der echten, authentischen Kultur und Sprache und der unechten, nur übernommenen, aufgesetzten, toten Kultur und Sprache, der das ganze völkische Denken bestimmt, stammt von Fichte. Er wurde von Fichte in der Zeit der napoleonischen Kriege formuliert und richtete sich damals gegen die französische Sprache, "bourgeoise" Zivilisation und den bürgerlichen Begriff der Nation als einer von freien, gleichen und brüderlichen Menschen. Das Französische und Revolutionäre qualifizierte Fichte als "künstlich" ab und setzte den revolutionären Ideen den völkischen Begriff der "organischen" und "ursprünglichen Nation" und den gleichermaßen völkischen Begriff der ursprünglichen Kultur des echten "Urvolkes", das sich, um seine Identität zu bewahren, gegen die französische Bourgeoisie zu erheben habe, entgegen.
Wagner griff dieses völkische Konzept unter dem Titel "Antagonismus der Rassen" seinerzeit wieder auf und verschärfte es. Dabei beruft er sich nicht nur auf Fichte sondern mit diesem auch auf Luther und dessen Judenhass. Sie sahen ihn als ihren berufenen Vorgänger, weil er als echter deutscher Geistesheroe das Christentum aus seiner Selbstentfremdung und Fesselung durch den undeutschen, gesinnungslosen jüdischen Geist befreit und seinen wahren jesuanischen Kern wieder zur Entfaltung gebracht habe. Das trifft auf Wagner weit mehr zu als auf Fichte, der das Christentum Luthers insgesamt noch für zu paulinisch und zu wenig vom Geist des Johannesevangeliums, das für Fichte der Geist des "wahren Christentums" ist, durchdrungen hielt. Des ungeachtet nehmen beide, Luther und Wagner, den von Luther konstruierten antagonistischen Gegensatz zwischen dem von jüdischen Interpretationskünsten nicht entstellten Christentum als »wahrer Religion«, die durch Jesus Christus allen Menschen Erlösung vom alten Menschen bringe, indem sie sie durch »Liebe, Glaube, Hoffnung« in »neue Menschen«  verwandle, die, wie es schon im »alten Testament« verheißen worden ist, unmittelbar am Reiche Gottes teilhaben, auf der einen Seite und dem "verstockten", sich gegen die Erlösung und den Geist echter Menschlichkeit (Wagner) sperrenden Judentum, das an seiner durch Jesus überflüssig gewordenen, veralteten Gesetzesreligion, die nicht innerer Einsicht und echtem bewussten Mitleiden (Wagner) entspringt, sondern bloß statutarischen Charakter (Kant) hat, festhält, und damit den »alten Menschen« und den ihn kennzeichnenden Dualismus zwischen Geist/göttlichem Gesetz und Natur/triebhaftem Wollen nicht wie der durch Jesus frei gewordene Christ von innen her, durch eine ihn verwandelnde, mit göttlicher Kraft beseelende Gesinnung überwindet, auf der anderen Seite wieder auf und verknüpfen diesen antagonistischen Gegensatz mit dem das völkische Denken bestimmenden Konstrukt vom »Antagonismus der Rassen«. Danach steht "das Deutsche" bzw. der »wiedererwachte deutsche Instinkt« als Vorbild für das echte, authentische, ursprüngliche Leben, in dem der »Geist der reinen Menschlichkeit« (Wagner) sich manifestiert oder, wie es bei C.G. Jung heißen würde, die bewusste Individuation der Archetypen des kollektiven Unbewussten gelingt, mitsamt allem, was nach dem völkischen Denken dazugehört.


Link zum Artikel (PDF): "Wagner, das völkische Denken und die Juden". Klicken Sie bitte hier.
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