Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
Jasmila Zbanic
- Kategorie: Unsortierte Kommentare
- 29. Dezember 2011
- Ayse Daral
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„Grbavica“ - Eine Frau mit einem Buckel - http://www.kritiknetz.de/Esma.pdf Eine unglaublich mitreißende und bewegende Geschichte von Jasmila Zbanic. Es ist wirklich erschreckend wie und unter welchen Umständen speziell die Frauen zur Kriegszeit im Jugoslawien-Krieg leiden mussten und welchen ungeheuer Menschenverachtenden Situationen sie ausgesetzt waren. Jasmila Zbanic ist meiner Meinung nach eine tapfere Frau, die versucht durch Ihre Geschichte deutlich zu machen wie sich der Krieg auf dem Balkan Ihr Leben prägte und veränderte. Sie ist eine von mehreren tausend Frauen, die das gleiche Verbrechen am eigenen Leib ertragen mussten: die Vergewaltigung durch den Feind, der in ihr nicht mehr den anderen Menschen, sondern nur noch da zu erniedrigende, zu quälenden und verächtlich zu machende Opfer sah. Jasmila Zbanic wird diesen Tag nie in Ihrem Leben vergessen: Ein Kind von seinem Peiniger. Ein Teil von dieser Person, die sie für immer verachten wird und die ihr das Leben zerstört hat. Diese 9 Monate der Qual. Unwissend wer der Vater des Kindes im eigenen Leib ist. Die tiefe Verachtung Ihrem Vater gegenüber teilt auch die Tochter von Jasmila. Ihren Hass macht Sie daran deutlich, indem Sie das einzige was Sie von Ihrem Vater hatte (Ihre Haare) vernichten möchte und sich deshalb eine Glatze rasiert. Aber ganz gleich was Sara macht, Ihre Abstammung kann Sie nicht verändern, obwohl sie nichts sehnlicher wünscht, als dies tun zu können. Frauen wurden vor den Augen Ihrer Kinder und Ihrer Ehepartner vergewaltigt. Die Vergewaltigung war eine Kriegswaffe. Sie sollte den Feind erniedrigen, verächtlich machen und ihm seine ganze Ohnmacht und Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit vor Augen führen, um ihn zur Selbstaufgabe zwingen. Die Hoffnungslosigkeit sollte ihm unauslöschbar eingebrannt werden, der Makel unwiderruflich sein. Das geht sehr deutlich aus einem Artikel der Journalistin Maria von Welser, die Anfang der 90er Jahre während des Bosnienkrieges in die Region reiste und über das dortige Geschehen berichtete. In Ihrem Artikel (http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Bosnienkrieg;art123,2577968) im Tagesspiegel erklärt Sie, dass „Familien dauerhaft zerstört (wurden), weil die Vergewaltigung ganz bewusst vor den Ehepartnern und den Kindern erfolgte. Das ist eine Art der Grausamkeit, die ich mir nicht vorstellen konnte“, so Maria von Welser. Verstehen kann man das wohl kaum, erklären aber schon. Zur Erklärung hilft die Lektüre der Essays von Erich Fromm "Studien über Autorität und Familie, Sozialpsychologie erster Teil" (1936) und "Zum Gefühl der Ohnmacht" (1937) (beide wiederveröffentlicht in: Erich Fromm, Analytische Sozialpsychologie, Bd.1, Stuttgart 1980) und last not least Wilhelm Reichs Studie "Die Massenpsychologie des Faschismus" (Köln 1971). W. Reich schreibt: "Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrte, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grundsätzlich anders, schwieriger, gefährlicher, ehrlicher und hoffnungsvoll." Das Diktum: "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod und das Opfern" ist demnach der Kern aller faschistischen Ideologie. Die Lust von Faschisten, zu vergewaltigen und die Vergewaltigung als Kriegswaffe zu nutzen, ist die sadistische Lust, den anderen zum toten Ding zu verdinglichen, ihn vor Schreck erstarren zu lassen, in die tiefste Hoffnungslosigkeit zu stürzen. Ayse Daral
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