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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft

Neues vom Weltuntergang?

Kategorie: Kritik der Politischen Ökonomie
03. April 2005
Michael Heinrich
3082 Zugriffe
Eine Debatte über diesen Punkt wird allerdings auch noch dadurch erschwert, daß in den Texten der Krisis zwar ständig von Zusammenbruch, Zusammenbruchskrise, Fundamentalkrise etc. die Rede ist, aber völlig ungeklärt bleibt, wie dieser Zusammenbruch eigentlich aussehen soll: ist damit eine weitgehende Verelendung, Entzivilisierung und Brutalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse gemeint (bei Fortexistenz eines kapitalistischen Kernbereichs) oder tatsächlich ein Zusammenbruch von Geldwirtschaft und Warenproduktion. Ich hatte diese Frage in meinem letzten Beitrag in den Streifzügen explizit aufgeworfen, eine klare Antwort läßt sich bei Trenkle aber auch jetzt nicht entdecken. Lediglich in einer Fußnote bemerkt er: „Mit der Sprengung der herrschenden Produktionsverhältnisse ist nichts anderes gemeint, als daß diese an ihre objektive Schranke stoßen, also unhaltbar werden.

Wie das aber aussieht, wenn sie „unhaltbar“ werden, das würde man schon gerne etwas genauer erfahren.

Vom Finanzsystem und mancherlei Fiktionen allerdings scheint auch die Krisis-Gruppe in letzter Zeit etwas ungeduldig geworden zu sein, was den als sicher geglaubten Zusammenbruch des Kapitalismus angeht. Für dessen Ausbleiben wird der Finanzsektor verantwortlich gemacht. Hier fände das überschüssige Kapital „fiktive Anlagemöglichkeiten“ (S. 20), die aber nur zu einer riesigen Finanzblase führen würden, deren Platzen nicht zu verhindern sei. Wie schon der Ausdruck „fiktive Anlagemöglichkeit“ andeutet, wird die Marxsche Kategorie des „fiktiven Kapitals“ hier in einem recht eigentümlichen Sinne gebraucht, denn eine „fiktive Anlage“ ist etwas anderes als eine Anlage in fiktivem Kapital.


Link zum Artikel (PDF): "Neues vom Weltuntergang?". Klicken Sie bitte hier.
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