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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft

Thesen zum Fetischcharakter der Ware und zum Austauschprozess

Kategorie: Kritik der Politischen Ökonomie
28. April 2005
Ingo Elbe
3744 Zugriffe
Marx’ Fetischkonzept ist aber nicht bloß eine Kritik des verdinglichten Alltagsverstands ausgehend von der Dechiffrierung der gegenständlichen Repräsentationsformen des Werts, es ist zugleich Kritik der politischen Ökonomie als theoretischer Selbstreflexion der bürgerlichen Gesellschaft. Die objektiven Gedankenformen „bilden eben die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie“ Im Fetischkapitel führt Marx vor allem zwei zentrale Kritikpunkte an: Er kritisiert, dass die Form Wert von der politischen Ökonomie reflexionslos vorausgesetzt, nicht nach der Genese des Werts gefragt und die sich im Wert darstellende Arbeit nicht als historisch-spezifische, gesellschaftliche Form begriffen wird (sie stellt sich nicht die Frage, „warum sich (...) die Arbeit im Wert (...) darstellt“19). Damit bewegt sich politische Ökonomie grundlegend auf dem Feld fetischisierter Formen.
 

 

Zudem wird der prämonetäre Charakter ihrer Werttheorie kritisiert, denn sie „behandelt (...) die Wertform als etwas ganz Gleichgültiges oder der Natur der Ware selbst Äußerliches“, d.h., sie unterscheidet nicht zwischen innerem und äußerem Wertmaß als zwei auf unterschiedlichen theoretischen Abstraktionsebenen liegenden Kategorien und begreift nicht die Notwendigkeit der Geldform für den Austausch von Waren (Geld wird als rein technisches Instrument gefasst, das aus Bequemlichkeitsgründen den Austausch mittels Arbeitszeitmengen-Rechnungen ersetzt). Marx differenziert allerdings zwischen klassischer politischer Ökonomie und Vulgärökonomie. Während erstere Beiträge zur Analyse des nichtempirischen Wesens der kapitalistischen Produktionsweise liefere (deren ‚esoterische’ Theorieebene v.a. der Arbeitswerttheorie), die sich dort aber mit einer die Erscheinungsformen des modernen Reichtums nicht begrifflich durchdringenden ‚exoterischen’ Theorieebene vermischten (z.B. der fetischistischen Produktionsfaktorentheorie), sei letztere bloße Systematisierung des verkehrten Alltagsverstands. Michael Heinrich hat allerdings Argumente dafür geliefert, Marx’ Unterscheidung in Frage zu stellen. Eine nichtempirische Theorieebene sei auch in der Klassik nicht auszumachen. Gerade auch die arbeitswerttheoretischen Kategorien würden dort als empirische (miss-)verstanden, was Marx selbst an einigen Stellen anmerkt.( Wolf 1985, S. 217. Vgl. auch Heinrich 2004a, S. 72. 16 MEW 26.3, S. 445. 17 MEW 23, S. 88. 18 Ebd., S. 90. http://www.rote-ruhr-uni.com/texte/elbe_fetisch.pdf 25.01.2005 5/11)


Link zum Artikel (PDF): "Thesen zum Fetischcharakter der Ware und zum Austauschprozess". Klicken Sie bitte hier.
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