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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft

Über welche Freiheit sprechen wir?

Kategorie: Unsortierte Kommentare
30. November 1999
m.grote
467 Zugriffe

Festzustellen ist erneut eine bedenklich unkritische Auseinandersetzung mit den extremen Ausprägungen eines sehr politischen Islam in diesem Land, dessen Protagonisten wie auch im vorliegenden Fall mit penetranter Überheblichkeit (bei gleichzeitiger Verweigerung eines gesellschaftlichen Diskurses über ihre Ziele und das von ihnen angestrebten Gesellschaftsmodell) in die Öffentlichkeit drängen. Ich empfehle beispielhaft einen Rückblick auf die "Islamkonferenzen" des Innenministers, die statt den erwarteten Ergebnissen die Erkenntnis gebracht haben, dass die islamischen Verbände, unter ihnen besagte "Islamische Religionsgemeinschaft", in D'land erhebliche Schwierigkeiten haben, sich in eine größtenteils säkulare Gesellschaft einzugliedern und ihren Islam analog zu den übrigen Religionsgemeinschaften "in die Schranken zu weisen". Dass das Christentum sich über Jahrhunderte nur widerwillig der Aufklärung gebeugt hat, müsste doch eine Ahnung von der Renitenz der Religionen per se und des Islam im Besonderen aufkommen lassen. Der Vorgang um Prof. Gess offenbart diesen Machtanspruch einer anti-säkularen Clique, deren unverhohlen aggressive Wortwahl den autoritären Charakter kennzeichnet; und obwohl diese absurde juristische Strafandrohung gegen ihn als eine Farce erscheinen mag, sind die erfolgten Aufrufe zur Bestrafung Prof. Gess' von erheblicher Brisanz und Tragweite - und sollten dementsprechende Aufmerksamkeit erfahren. Es ist hinlänglich bekannt, dass im Zusammenhang mit den üblichen Anmaßungen klerikaler "Würdenträger" gegen Aufklärung, Emanzipation, Meinungsfreiheit etc. ein solcher Angriff auf unliebsame Kritiker (siehe den kürzlich erfolgten Angriff auf Kurt Westergaard) gehäuft von Anhängern der "Religion des Friedens" belegt ist; und nach kurzer Kenntnisnahme von der Öffentlichkeit nahezu routiniert ad acta gelegt wird, ohne die nötigen Rückschlüsse daraus zu ziehen. Zwar steht es außer Frage, dass der Großteil der sich als religiös definierenden Muslime damit in keinem unmittelbaren Zusammenhang steht; jedoch muss auf das Potential hingewiesen werden, welches Koran und Sunna als Handlungsanleitung für gläubige Muslime und somit als verbindliche Weisung für alle Lebensbereiche bereitstellen! Es ist an den säkular orientierten Muslimen, sich dieses Problems bewusst zu werden und eine wahrhaftige Reform ihres "Heiligen Buches" in Angriff zu nehmen. Das wäre mal ein notwendiger(!) Djihad, der diese ideologische Konstruktion "Islam" ins 21.Jhrd. katapultieren könnte. Auf eine solche unabdingbare Koranexegese ging Prof. Gess in einem Artikel auf seiner Kritiknetz-Seite explizit ein, und drängt auf eine solche "Selbstaufklärung" des Islam - eine Aufgabe, der sich alle Muslime zuvorderst annehmen und damit der Bedrohung sowohl "ungläubiger" als auch muslimischer Islamkritiker aktiv entgegenstellen müssen. Zitat Prof. Gess: "Wer aber könnte zu dieser Minderung mehr beitragen als die aufgeklärten, demokratischen Glaubensbrüder der eingefangenen Subjekte?" Bedauerlicherweise wurde im Artikel der NW darauf nicht Bezug genommen. Es würde den strafbewehrten Vorwurf der Volksverhetzung als das kennzeichnen, was er augenscheinlich ist: ein weiterer Versuch des politischen Islam, die universalen und explizit säkularen Freiheitsrechte durch Unterhöhlung des Toleranzbegriffes, fragwürdige Inanspruchnahme der Religionsfreiheit und unter skandalöser Zuhilfenahme großer Teile der politischen, wissenschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Eliten dieses Landes, zu beschneiden. Ich verlange eine entschiedene Reaktion von sowohl Rektorat als auch Kollegium der FH auf die Kampagne der "Islamischen Religionsgemeinschaft" gegen einen kritischen Wissenschaftler - eine Kampagne, die auch einen Angriff auf die Freiheiten einer säkular verfassten Gesellschaft - und damit aller ihrer Mitglieder - bedeutet.

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Das ist ein Kommentar von "Kollektive Zwangsneurose Islam oder Straftatbestand Islamophobie"
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