Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
hysterische Sensibilität
- Kategorie: Unsortierte Kommentare
- 30. November 1999
- Sebastian
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Ich habe den Text ("Kollektive Zwangsneurose oder Straftatbestand Islamophobie") grad gelesen. Ein überaus gelungener Text! Vor allem find ich erstaunlich, dass sowohl bei Prof. Dr. Vural, wie auch bei mir privat bekannten Personen aus dem Fachbereich Sozialwesen das Phänomen der - ich nenne es mal laienhaft - "hysterischen Sensibilität " oder "Hyper-Sensibilität" zu beobachten ist; ein Erscheinungsbild und eine Inszenierung, welche immer populärer wird. Sie verschafft den von ihr betroffenen Personen einen Vorteil gegenüber "normalen" Menschen: 1. Berechtigte Kritik kränkt ihre Selbstdarstellung, auch dann wenn sie erkennbar am Dialog interessiert ist, so sehr, dass auch unverhältnismäßige Reaktionen ihrerseits von ihnen IMMER als "legitim" dargestellt und möglicherweise auch so empfunden werden. Dadurch kann sich 2. die betroffene Person, durch ihre (inszenierte) Hypersensibilität einen sehr viel größeren Freiraum für ihr eigenes Dasein und ihre Ideologien schaffen. Einmal im Sinne unverhältnismäßiger Sanktionsforderungen und zum andern auf einer, wie ich finde, ganz infantilen Ebene, im Sinne von: "Gebt dem aggressiven Kind doch was es will, damit es endlich aufhört zu schreien." Traurigerweise scheint diese Inszenierung, dessen Brutstätte unter anderem auch das professionelle Soziawesen ist, mittlerweile gesellschaftsweit zu funktionieren - jedenfalls dann, wenn dem "hysterisch Sensiblen" Macht, Geld oder Einfluss zugeschrieben wird. So schließe ich mich Ihnen an. Ich erkenne die Ausweglosigkeit der Gegenwehr im Land der Unzumutbarkeiten mit Claudia Roth an der Spitze, "...schwöre der Kritik ab und bekehre mich zum einzig wahren Glauben, um fortan angstfrei in dieser schrecklichen Welt leben zu können." In diesem Sinne S.P.
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