Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
ISSN 1866-4105
Der Aufstieg des Individuums in der Renaissance. Religiöse Rationalisierung, die Freiheit des Christenmenschen und der frühbürgerliche Judenhass
Stapelfeldt erläutert in der folgenden Abhandlung zunächst den historischen Kontext der religiösen Individualisierung im späten Mittelalter. Sie war danach Folge des Zerfalls des mittelalterlichen, religiös gestützten Mythos der Welteinheit infolge einer Krisenkonstellation von Katastrophen. Die Krise führte ökonomisch zum Übergang von der alten Ökonomie der Hauswirtschaft zur Chrematistik, d. h. zum Kapitalismus in Form des Kaufmanns- und Verlagskapitalismus. Der Fortgang der Ware-Geld-Ware-Tausch zum Geld-Ware-Geld-Tausch und damit die Erhebung des Geldes zum Selbstzweck wirtschaftlichen Handelns bedeutete philosophisch, dass der am Tausch gewonnene Logos Selbständigkeit und Identität erlangte – allerdings erst in Gestalt Gottes - und sich die Vorstellung des Individuums als des innerlich freien selbständigen Menschen in unmittelbarer Einheit mit dem Logos (Gott), dem Identisch-Allgemeinen, ausbildete. „Es konstituierte sich in Form der metaphysischen Identität“ (S. 4)
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