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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
ISSN 1866-4105

proisraelische Blauäugigkeit

Details
Kategorie: Unsortierte Kommentare
Veröffentlicht am Dienstag, 30. November 1999 00:00
Geschrieben von HAL3000
Zugriffe: 416
Leider beweist dieser Artikel wieder einmal, daß das Kritiknetz nicht in der Lage ist, aus der vorherrschenden linken Spaltung zwischen Israel-Befürwortern und -Widersachern auszubrechen. Schon allein eine Differenzierung zwischen Jude (religiös), Jude (NS-Sprachgebrauch) und Israeli fehlt. Mitnichten ist eine Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichzusetzen. Verschwiegen wird das unselige Gebahren des israelischen Staates, des israelischen Militärs und der israelischen Besetzer in den besetzten palästinensischen Gebieten, mit keinen Ton erwähnt wird die Behandlung des Gazastreifens gleich einem riesigen Freilaufgefängnis und Ghettos. Das Israel gegenüber den Palästinensern eine Apartheidspolitik betreibt, ist so evident, daß es schon sprachlicher Verrenkungen und schlichter Lügen bedarf, um davon abzulenken. Als ich vor Jahren in Berlin auf einer Demo gegen Bushs Kriegspolitik war, war es eben ein Israeli, der mir gegenüber Unverständnis äußerte über den Diskurs innerhalb der deutschen Linken. Er wies mich darauf hin, daß gerade in Israel die Friedensbewegung zwar oppositionell aber deutlich stark sei. Die schärfsten Kritiker Israels leben eben in Israel und es stünde der Linken gut an, sich mit ihnen zu solidarisieren, anstatt eine unhaltbare reaktionäre Solidarität gegenüber dem israelischen Staat und seinem widerlichen Nationalismus anzustreben. Es ist gerade die Romantisierung israelischer Zustände, wofür ein Teil der Linken insbesondere die BAK Shalom kritisiert werden muß. Ungeheuerlich, daß sie an der Spitze derer stehen, die kontinuierlich die israelische Linke diffamieren und aus den Diskurs ausklammeren. Wo ist da die Solidarität? Kritik an Nationalismus (und nichts anderes ist der Zionismus) und am Militarismus (und nichts anderes ist Israels Militärpolitik) sind integrale Bestandteile linker Politik, ohne sie ist Kritik an Nationalsozialismus und Antisemitismus nicht plausibel.
Hal 3000 (Warum ein Pseudonym? - der HG)

Entgegnung

Eine Kritik an Israel ist dann „mit Antisemitismus gleichzusetzen“, wenn diese Kritik an der Politik Is­raels verbunden ist mit Gleichsetzungen dieser Politik mit Vorgehen der deutschen Nazis in der Zeit von 1933 bis 1945. Wenn also die Israelis zu rassistischen oder faschi­stischen Gewaltverbrechern abgestempelt werden sollen. Dass Israel „eine Apartheidpolitik“ betreiben soll, ist Ausdruck einer demagogischen Diffamierung Israels als rassistischen Staates. Bewusst sieht diese Demagogie von dem diese Behauptung empirisch widerlegenden Faktum ab, dass die arabischen Israelis mitnichten separiert wer­den, sondern volle Staats­bürgerrechte im Kernstaat Israel genießen, und die Mehrheit der arabischen Palä­stinenser im Westjordanland keine Israelis sein wollen, sondern ihre politische Vertretung PLO, Hamas. Islamische Djhad die Vernichtung des Staates Israel anstreben.Kritik an der militärischen Verteidigung der israelischen Nation wäre dann glaubwürdig, wenn sie dieselben Maßstäbe, die sie Israel anlegt, auch an den Nationalismus und Milita­rismus der verschiedenen pa­lästinensischen Fraktionen anlegen würde. Solidarität kann, wenn sie ernst gemeint ist, nur den Opfern auf beiden Seiten gelten. Ein Standpunkt, in der Regel aus ideologischen Motiven geboren, der im vornherein der einen Seite alle Schuld zuweist und der anderen einen aus­schließlichen Opferstatus zu schreibt, ist unangebracht und falsch. In Wahrheit ist es so, dass Teile der ost- und west-deutschen Lin­ken seit Ende der 1960er Jahre an einer Einschätzung Israels festhalten, die darauf abzielt, dem in der gesamten deutschen Bevölkerung verankerten Anti-Semitismus, mit dem Kon­strukt des Anti-Zionismus, eine Legitimation zu verleihen.

Harry Waibel

 
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Das ist ein Kommentar von "Anti-Semitismus bei deutschen Anti-Imperialisten"
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