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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft

"Der Erbe trägt keine Schuld"

Kategorie: Ideologie- und Religionskritik
19. März 2005
Heinz Gess
7276 Zugriffe
Eine kritische Untersuchung über die Ausstellung der Flick Collection in Berlin im Lichte der Kritischen Theorie und der Theorie der rationalen Herrschaft (M. Weber)

Gegenaufklärung und Ideologie ist nicht erst die Rechtfertigung der Ausstellung der Flick Collection durch den ausgestellten Künstler und seinen Kanzler. Gegenaufklärung, unmittelbare ideologische Praxis ist bereits die Ausstellung selbst und die "unschuldige Tat" hunderttausender Volksgenossen, auf Empfehlung ihres Kanzlers die Ausstellung zu konsumieren. Ihr Konsum ist das praktizierte Vergessen. Sie tun, wie ihnen zu tun geheißen wird, und ziehen mit ihrem Kunstgenuss den Schlussstrich. Sie genießen das große Ereignis als eines von Weltgeltung und bestätigen im Glanze der Kunst einander: "Wir sind wieder wer" und brauchen uns von den Nestbeschmutzern, die mit der "Auschwitzkeule" auf das unschuldige Vaterland einschlagen und Auschwitz zu "unserer Schande" (Martin Walser) und ihrem Vorteil instrumentalisieren, nichts mehr sagen lassen.
Im Geist der Eröffnungsrede des Kanzlers besuchen sie die Ausstellung nicht trotz, sondern wegen Auschwitz, nicht obwohl Blutgeld der Quell der Collection ist, sondern weil es der Quell ist. Als Mitglieder des narzisstischen Kollektivs bestätigen sie einander, dass nicht Auschwitz die Totschlagkeule des nationalen Kollektivs gegen alles war, was es als nichtidentisch wahrnahm, und Vorzeichen dessen ist, welche Gräuel der Menschheit noch bevorstehen, wenn sie bei wachsenden Produktivkräften, die auch wachsende Destruktivkräfte sind, über diese Form des kollektiven Narzissmus und die gesellschaftlichen Bedingungen, die ihn hervorbringen, nicht hinauskommt, sondern dass umgekehrt die Erinnerung an Auschwitz und das Bewusstsein des den Verhältnissen innewohnenden "Unglücks, des allgemeinen und des davon nicht ablösbaren eigenen" (Adorno ), die Keule sei, die man den Kritikern, die sich durch ihre Kritik als nicht zugehörig, als nichtidentisch mit dem narzisstischen Kollektiv erweisen, aus den Händen schlagen müsse.


Link zum Artikel (PDF): ""Der Erbe trägt keine Schuld"". Klicken Sie bitte hier.
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