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Zu den (Un-)Möglichkeiten linker Praxis. - Kritik der politischen Gruppe PDF Drucken E-Mail
2052 mal gelesen.
Geschrieben von: aus der Stadkommune (Berlin)   
Montag, 04. Dezember 2006 um 19:47 Uhr
Die antfaschistische Stadtkommune (Berlin) übersandte mir folgenden Text zur Veröffentlichung im Kritiknetz.
In dem Text geht es um "Grundlagenkritik der politischen Gruppe" . Grundlegend für die Kritik ist der Begriff des Warensubjektes, aus dem die Form der politischen Gruppe entwickelt wird.
Der Text soll dazu beitragen, zu verstehen, wie politische Gruppen funktionieren, welche materiellen Gegebenheiten die politische Gruppe zu dem machen, was sie ist, und welche Probleme in der Praxis sich daraus ergeben
Die Erkenntnis, dass auch die politische Gruppe ein Produkt der Verhältnisse ist, führt nicht zu der Forderung nach ihrer Abschaffung, sondern soll daran erinnern, dass wir nicht widerspruchsfrei leben können, solange die Verhältnisse nicht grundlegend geändert sind.
Sie kann lediglich dabei helfen, Möglichkeiten der Veränderung der Verhältnisse zu finden und im falschen Ganzen nicht - an ihm verzweifelnd- unterzugehen.
Letztendlich - und das soll im Folgenden hergeleitet werden - befinden sich politische Gruppen in einem durch ihre Form gegebenen, unauflösbaren Widerspruch zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gruppe und ihren allgemeinen, gemeinsamen Zielen. Dieser Widerspruch fördert Verhältnisse von Hierarchie und Dominanz, also gerade das, was abschaffenswert ist. Dominanz und Hierarchie können, so wie die Verhältnisse beschaffen sind, in keiner noch so emanzipativen politischen Gruppe vollständig abgebaut werden. Berechtigt und anerkennenswert ist aber nur jene, durch Lernprozesse anderer Gruppenmitglieder aufhebbare Dominanz, d. h. jene Überlegenheit, die auf einem höheren Maß an überlegenem Wissen, Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kraft, politischem Reflexionsvermögen etc. beruht, die Gruppe im Gebrauchswertsinn bereichert und sich dadurch in der Gruppe auch bewährt. Wo überlegene Differenz aber systematisch zur Akkumulation von Vorteilen, Macht und der Etablierung von (informellen) Statusunterunterschieden benutzt wird und andere Gruppenmitglieder, die kurzfristig davon profitieren, dies widerspruchslos akzeptieren, steht der emanzipative Anspruch der politischen Gruppe, wie emanzipativ ihre erklärten Ziele nach außen hin auch immer sein mögen, realiter auf dem Spiel.
Deswegen ist es für eine politisch emanzipative Gruppe unerlässlich, sich die Qualität der Dominanzverhältnisse in der Gruppe bewusst zu machen und durch solche Reflexion und die Annerkennung, die jene erfahren, die durch ihre Differenz Anderen in bestimmter Hinsicht überlegen sind, diese dazu zu motivieren, den anderen aus Freiheit an ihrem überlegenen Können, Wissen etc. teilhaben zu lassen. Sich so zueinander zu verhalten, überhaupt ernsthaft miteinander zu diskutieren, verhaltenswirksam zu reflektieren, gilt in der bürgerlichen Gesellschaft, in der jeder "sein eigener Herr" und als vereinzelter Einzelner "seines Glückes Schmied" sein soll, als Zeitverschwendung und überflüssiger Luxus. Wer diese falsche bürgerliche Vorstellung von "Zeitverschwendung" teilt und seine Zeit so eben nicht "verschwenden" möchte, von dem "Luxusleben" also nichts hält, hat in einer politisch emanzipativen Gruppe nichts zu suchen. Es ist zwar richtig, dass es "kein wahres Leben im Falschen", gibt, und die politisch emanzipative Gruppe deswegen nicht ohne innere Widersprüche ist, die zu reflektieren und aufzuarbeiten sind, aber das ist etwas völlig anderes als die bewusstlose Identifikation mit dem Falschen, die die Aversion gegen diese emanzipative Form der "Zeitverschwendung" und des emanzipativen Luxus signalisiert. Denn diese Identifikation und der beharrliche, bornierte Wille, von ihr nicht zu lassen macht die objektiv mögliche Aufhebung des falschen Ganzen in der Tat von der subjektiven Seite her unmöglich

Heinz Gess


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