Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
Maskerade des Glaubens. Islam-Konvertiten als Avantgarde der zeitgenössischen Gegenaufklärung
- Kategorie: Ideologie- und Religionskritik
- 18. Februar 2006
- Jutta Willutzki
- 4121 Zugriffe
Wenn Konvertierte also meinen, der Islam biete ihnen Halt, eine gradlinige Botschaft und klare Moralvorstellungen; wenn der bereits erwähnte Mekail Alman auf seiner Website präzisiert: "Die Zeiten wandeln sich und wir uns mit ihnen (...). Eines aber bleibt konstant: Die Glaubensgewißheit der Muslime. Deshalb ist der Boden, auf dem wir gehen, fest und sicher. Deshalb haben wir das Ziel des geraden Weges immer ganz genau im Auge. Deshalb kann uns nichts erschüttern "gerade in unsren Tagen, in denen die Muslim-Verfolgung weltweit forciert wird, weil der "Westen" seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums keine Alternative mehr hat " außer dem Islam und seinem Gesellschaftsmodell" (Zeit 06.05.04) " dann ist das Prinzip der Gegenaufklärung schon zum Selbstbewußtsein erhoben. Die letzte Gewißheit, die gestiftet wird, ist die, daß der Feind die Juden und ihre Verbündeten sind, alles andere ist verhandelbar.
"Glaubensgewißheit" ist übrigens auch ein falsches Wort. Wer fest im Glauben ist, in ihm ruht, für den sein Glauben selbstverständlich ist, der läßt sich darin auch nicht beirren, der ignoriert Anfeindungen eher, als dass er sich mit ihnen beschäftigen würde. Glauben ist längst keine selbstverständliche Überzeugung mehr, denn man entscheidet sich nicht mehr aus subjektiver Wahl für ihn oder läßt es bleiben. Glauben ist zugleich auch keine Überzeugung mehr, weil keiner mehr etwas mit Lehrsätzen, Dogmen, Vorschriften, Institutionen, also allem was nach Objektivität riecht, zu tun haben will, sondern statt dessen eine Weltanschauung möchte, kurz, einen Glauben, der das eigene Meinen und Dafürhalten bestätigt und zum weltanschaulichen System aufbläht. Gerade weil man sie als Besitz, als Eigentumstitel verteidigt, pocht man so fanatisch und verbiestert auf die eigene Meinung. Glauben und Religion sind eine Frage des Geschmacks, sie fungieren als Accessoires des Lebensstils. Deshalb ist auch die Konversion heute kein Wechsel der Überzeugungen mehr, der Vorbereitung erfordert, durch ein kompliziertes Procedere abgesichert wird und einen gewissermaßen zu einem neuen Menschen macht. Man bleibt vielmehr ganz der Alte, mit dem Unterschied, dass die eigenen Ressentiments ein neues Label gefunden haben, das deren Ausagieren noch weniger behindert als frühere Labels wie esoterische Ökologie oder säkularer Antiimperialismus
Link zum Artikel (PDF): "Maskerade des Glaubens. Islam-Konvertiten als Avantgarde der zeitgenössischen Gegenaufklärung". Klicken Sie bitte hier.
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