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Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft

Die Juden sind schuld

Kategorie: Antizionismus und Antisemitismus
26. Februar 2009
Amadeu Antonio Stiftung
1157 Zugriffe
Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Beispiele, Erfahrungen und Handlungsoptionen aus der pädagogischen und kommunalen Arbeit

Fundstück aus dem Internet. Als Service für die Leser des Kritiknetzes eingestellt und kurz kommentiert.
Ich betone ausdrücklich, dass ich zu einer kritischen Würdigung der Untersuchung nicht in der Lage bin, weil die Studie gerade erst erschienen ist und ich sie deshalb nur kursorisch überfliegen konnte. Dass reicht, um ihre Veröffentlichung im Kritiknetz verantworten zu können, aber zu mehr auch nicht.

Kommentar:
Aktueller Antisemitismus kommt nach der Studie der Amadeu Antonio Stiftung unter jungen Muslimen eher in fragmentarischer Form als in Form eines kompletten Weltbildes vor.
Dabei erfüllt das Gerücht über den Nahostkonflikt und das dazugehörige Feindbild Israel bei Jugendlichen arabischer und/oder muslimischer Herkunft verschiedene Funktionen: So dient der Konflikt u. a. als Projektionsfläche für hiesige Marginalisierungserfahrungen. Dabei wird zumeist eine kollektive muslimische Opferperspektive eingenommen: Schuld sind und waren immer die anderen. Das führt zu Hassideologien und erschwert Integration und Fortkommen in Deutschland.
Solch verzerrten Darstellungen und Opfermythen muss durch multiperspektivische Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt und einer Aufklärung begegnet werden, welche die Jugendlichen und ihre Familien dazu bringt, sich nicht (nur) als Opfer, sondern vor allem (auch) als Mittäter in schwierigen Verhältnissen zu erkennen. Dazu braucht es Pädagoginnen und Sozialwissenschaftlerinnen, für die Anti- Antisemitismus und Anti-Rassismus kein bequemes Ticket sind, auf dem sich in ihrer Szene gut fahren lässt, sondern die die Sozio- und Psychogenese des Antisemitismus begriffen und das Unrecht der Vergangenheit erinnert und durchgearbeitet haben, so dass sie stark genug sind, den Mut zur individuellen Konfrontation aufzubringen und sich auf ihnen unbekanntes Terrain zu wagen, auf dem sie Konflikte erwarten. Hilfreich zur Bewegung auf diesem Terrain ist auch Wissen über den Nahostkonflikt und über die rechtliche und soziale Situation von Migranten hierzulande.
Heinz Gess



Link zum Artikel (PDF): "Die Juden sind schuld". Klicken Sie bitte hier.
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