Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft
Antisemitismus und Israel
- Kategorie: Unsortierte Kommentare
- 29. Dezember 2011
- Marcel K
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Antisemitismus ist leider eine weit verbreitete Krankheit unter den Linken. Es ist besonders bedauerlich, weil ich glaube, dass mit der zerstörung jüdischer Kultur in Deutschland dieses Land in seiner Kultur, Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Leider glaube ich aber auch - und ich habe militante, total irrationalisierte Pro-Israel Demonstranten in New York erlebt - dass es eine falsche militarisierung und politisierung des Staates Israel gibt. Israel ist ein wunderbares simulakrum für alle möglichen Gruppen, sich in ihrere populistischen Propaganda daran abzuarbeiten. Ich denke es bringt weder der Bürger Israels noch seine Nachbarn weiter. Ich habe 2001 Uri Avneri auf einem Besuch in Brüssel getroffen, begleitet und interviewed. Ich weiss, er ist umstritten, aber ich habe diesen Mann als einen unglaublich vernünftigen Pragmatiker erlebt. Damals habe ich notiert: "It is not the best solution, it is the only solution!" I had the chance to join Uri Avneri and his wife Rachel, representing the radical peace-movement of Israel, Gush Shalom, on their trip through Europe, delivering a powerful message of determined peace-making: "There have to be two independent states, Palestine and Israel, devided by what we call the green line (Oslo Agreement), Jerusalem has to be the capital of both states. The settlements, all the settlements in the occupied Palestine territories have to be evacuated. The Palestinian refugees have to be generously compensated. They should receive general recognition and the right to return to their homelands in Israel. Practically there could be 50.000 refugees returning every year for a period of ten years, without endangering the ethnical character of Israel. But in reality it will be even hard to find enough refugees who want to return..." Uri Avneri, the controversial Israeli patriot is convinced, that if there is to be ever an end to the war in the middle east, it has to look like his proposal. "The only sad thing, that many more people on both sides will loose their lives as long as the politicians don't agree on this reasonable proposal." Ich habe das Gefühl auf dem Rücken von Israel und den Palästinensern lässt sich billig Politik machen. Es führt keinen Schritt weiter auch nicht die gegenseitigen Rechtfertigungen der eigenen Position. Der Westen braucht den "Stachel" Israel in der arabischen Welt als Mittel zum Zweck und die Antisemiten brauchen Israel um ihre antijüdische Hetze zu betreiben. Wir sollten uns von beidem verabschieden. Wir brauchen einen Staat Israel mit allen Rechten und Sicherheiten, wir brauchen aber auch den Frieden mit seinen Nachbarn. Doch all das ist Fern. Wir Deutsche aber sollten vor allem daran arbeiten, die jüdische Kultur wieder zu einem integralen Bestandteil der "Leitkultur" zu machen, erst dann kann dieses Land wieder zu sich finden. Wir brauchen eine jüdische Renaissance im Denken und Handeln. Was immer das ist. In Belgien habe ich "Liberale Juden" erlebt, die ganz wesentlich zur Kultur und Politik ihres Landes beitragen und auch zu einer Israel-Kritik. Kritikbewußtsein und Fähigkeit ist eine große jüdische Tugend. Ein Staat, der jede Kritik am eigenen Handeln verbiete - ob von innen oder aussen kann sich kaum auf eine lange Tradition eines intlektuellen Judentums in Europa berufen. Shalom Marcel K.
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