H O M E

T H E M E N

Willkommen im Kritiknetz
Sozialpolitik Kultur Faschismus Ideologiekritik Nahostdebatte Rezension Staatskritik Musik Judentum_und_Emanzipation Antisemitismus Wissenschaftliche_Links Soziologie Literatur Bildungspolitik Rassismus Kritische_Theorie Neue_Rechte Sozialarbeit Kritik_der_Politischen_Ökonomie Islamismus Weblinks Neo-Faschismus Völkisches_Denken Rassismus Hochschulpolitik Antizionismus Religionskritik

Das ''kollektive Unbewusste'' und der Antisemitismus
2914 mal gelesen.
Geschrieben von: Heinz Gess   
Samstag, 19. Februar 2005 um 10:44 Uhr
Zu der positiven Einschätzung des Nationalsozialismus kommt Jung durch Überlegungen, die dem Kern seiner Lehre entsprechen, die also keinesfalls, wie er 1947 zugestanden haben soll, nur »ein Ausrutscher« sind (Evers 1987, S.148). Der entsprechende Gedankengang Jungs sieht wie folgt aus: Um sich als Individuum erhalten und der Gefahr, sich in der Masse zu verlieren und darin unterzugehen, widerstehen zu können, muss der einzelne in seiner Individualität ebenso organisiert sein wie die organisierte Masse. Wie die chaotische Masse nur dadurch Struktur und Richtung gewinnt, dass »die chaotisch sich gegenseitig durchkreuzenden Bewegungen [...] von einem diktatorischen Willen in eine bestimmte Richtung gezwungen werden, so bedarf der dissoziierte Zustand des Einzelnen eines Richtungs- und Ordnungsprinzips« (Jung 1957, S.308).
 Dazu reicht aber der Wille des Ichbewußtseins nicht aus, sondern es bedarf des »Zuflusses der instinktiven Dynamik« (ebd., S.313), die nur fließt, wenn der Wille dem objektiv seelischen Sinn, der hereditären archetypischen Ordnung entsprechend sich organisiert. Das sagt Jung 1957 und preist mit diesem Argument Religion als Instrument der Selbstbehauptung in der Massengesellschaft an und im Namen von Religion Unterwerfung unter Heteronomie: »Religion bedeutet Abhängigkeit von und Unterwerfung unter irrationale Gegebenheiten«. Infolge dieser Abhängigkeit stelle sie »ein Reservat gegenüber dem sinnenfälligen und unausweichlichen Zwang der äußeren Verhältnisse« dar, »denen jedermann, der nur in der Außenwelt lebt, [...] ausgeliefert ist.« (ebd., S.284) Dasselbe sagt er mit etwas anderen Worten schon 1912 in »Symbole und Wandlungen der Libido«, dem Buch, mit dem er die endgültige Abspaltung von der Freudschen Psychoanalyse einleitete. Dort heißt es: »Die biologischen Triebe stoßen .. nicht nur gegen eine äußere, sondern auch innere Schranke. Dasselbe psychische System, das einerseits auf der Konkupiszenz der Triebe beruht, gründet sich andererseits auf einen Gegenwillen, der mindestens ebenso stark ist wie der biologische Trieb«, den »Willen zur Veränderung oder Unterdrückung der natürlichen Triebe, [...] genauer gesagt der Vorherrschaft und Unkoordiniertheit derselben«. Er »stammt [...] aus der geistigen Quelle, d.h. aus numinosen, psychischen Bildern.« (Jung 1912, GW.5, S.199) Und 1918 heißt es: »Aus dem rein Tierisch Triebhaften [gehen] auch jene Größen hervor, welche die Macht des Instinktes beschränken. Aus der gleichen Wurzel, aus der der schrankenlose, blinde Trieb hervorbricht, kommen auch die natürlichen Gesetze und Formen, welche die ursprüngliche Kraft bändigen und brechen. [...] Die Produkte des Unbewußten sind reine Natur. Natur ist nicht an sich eine Führerin, [...]. Wenn wir sie aber als Führerin benutzen wollen, so dürfen wir mit den Alten sagen: Naturam si sequetur ducem, nunquam aberrabimus' (Wenn wir der Natur als Führerin folgen, werden wir niemals irre gehen).« (Jung 1918, S.34/36)


Link zum Artikel (PDF): "Das ''kollektive Unbewusste'' und der Antisemitismus". Klicken Sie bitte hier.

Share |

 

Ihren Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Ihre E-Mail:
Ihre Webseite:
Betreff:
Kommentar (Sie können hier HTML Tags verwenden):
  Bild, welches den Sicherheitscode enthält
Sicherheitscode:
yvComment v.1.19.3
buy photoshop cs5

Kritische Theorie der Gesellschaft

  • Antisemitismus
  • Faschismus
  • Ideologie- und Religionskritik
  • Judentum und Emanzipation
  • Kritik der Politischen Ökonomie
  • Kritische Theorie
  • Kultur, Literatur, Musik
  • Neue Rechte, Völkisches Denken, Rassismus
  • Sozialarbeit
  • Sozialpolitik
  • Soziologie
  • Staatskritik

Politische Eingriffe

  • Neofaschismus und Rassismus
  • Hochschul- und Bildungspolitik
  • Sozialarbeit/Sozialpolitik
  • Nahostdebatte
  • Antizionismus und Antisemitismus
  • Religionskritik
  • Islamismus
  • Weitere Kommentare

Rezensionen

  • Wissenschaft
  • Politische und kulturkritische Eingriffe

Gastbeiträge

  • Beiträge anderer Webseiten
  • Beiträge anderer Zeitschriften

Kurztexte

  • Kurztexte

Links

  • Wissenschaftliche Links
  • Links zu politischen Eingriffen

Am meisten gelesen

  • Negative Dialektik. Zur Subjekt-Objekt-Dialektik bei Adorno. Vorstudien
  • Max Horkheimers Sicht der "traditionellen und kritischen Theorie "
  • Lebenslagen in Deutschland. Der 2. Armutsbericht der Bundesregierung
  • Der mit den Wölfen heult. Über die deutsche Kumpanei mit dem Islamismus - Teil 1
  • Religion, Verantwortung und Emanzipation

Kommentare

  • Other blogging systems
  • Antisemitismus und Israel
  • 10 gute Entgegnungen auf 10 dämliche Phrasen
  • proisraelische Blauäugigkeit
  • Jürgen Rüttgers



  • Passwort vergessen?
  • Benutzername vergessen?

Newsletter

Hier können Sie unseren Newsletter abonnieren.


Empfange HTML?

Spenden

Die Lektüre des Kritiknetzes kostet kein Geld. Seine Unterhaltung verursacht aber finanzielle Kosten. Das Kritiknetzteam bittet geneigte Leser deshalb um Spenden für die Unterhaltung des Netzes. Einfach per Paypal spenden oder überweisen an:

Heinz Gess (Kritiknetz)
Volksbank Halle/Westf.
BLZ: 480 620 51
Konto: 508 249 840

paypal

@Twitter

Follow me on twitter
Follow this blog


Heinz Gess
Vom Faschismus zum Neuen Denken

Hier blättern

Share |
Wikio

Home  |  Impressum  |  Kontakt  |  Kritik - Eine Einführung  |  Mitarbeit  |  Newsletter